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Afghanistan und Deutschland

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Eine abenteuerliche Reise

Tatsächlich gibt es schon seit 1915 eine enge Verbindung zwischen Deutschland und Afghanistan.

Am Anfang stand eine abenteuerliche Reise im Auftrag des deutschen Kaisers Wilhelm II.: Eine kleine Gruppe deutscher Diplomaten und Offiziere tarnte sich als Wanderzirkus und durchquerte auf dem Weg nach Afghanistan den Balkan, gelangte mit Bahn, Schiff und zu Pferd bis nach Bagdad, durchschritt die Salzwüste Kewir und überquerte schließlich über die afghanische Grenze. Am 26. September 1915 traf die Gesandtschaft in Kabul ein. Die Expeditionsgruppe hatte einen konkreten Auftrag: Sie sollte den damaligen Herrscher Afghanistans, Emir Habibullah, im ersten Weltkrieg zu einem Eintritt auf Seiten Deutschlands und seiner Verbündeten bewegen, jedoch gelang dies nicht. Im Frühjahr 1916 zogen die Deutschen aus Kabul ab. Auch wenn sie ihr eigentliches Ziel nicht erreichen konnten, knüpften die Reisenden aus Deutschland wichtige Kontakte in Afghanistan.

Goldene Jahre in Afghanistan

Die 1920er-Jahre unter dem Sohn Habibullahs, dem sogenannten Reformkönig Amanullah, werden von vielen Afghanen als die „goldene Jahre“ bezeichnet. Nach der Anerkennung als unabhängiger Staat schließt Afghanistan mit Deutschland einen Freundschaftsvertrag und tauscht einige Gesandte aus. Im Jahr 1923 wird die Deutsch-Orientalische Handelsgesellschaft AG gegründet. Bereits 1924 entsteht mit deutscher Unterstützung die Nejat-Oberrealschule in Kabul, an der jahrzehntelang auch deutsche Lehrer unterrichten. Im ganzen Land werden in den 1920er-Jahren mit deutscher Hilfe Großprojekte umgesetzt und rund 200 Experten entsandt. Das Straßennetz wird erweitert, Wasserkanäle und Talsperren gebaut und Telegraphenleitungen gelegt. Den Höhepunkt setzt schließlich der Besuch Amanullahs beim Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in Berlin.

Neutral gegenüber Nazis

Sogar während des Zweiten Weltkriegs reißen die Kontakte nicht ab: 1938 richtet die Lufthansa eine Flugverbindung Berlin-Kabul ein und das Deutsche Reich, in dem die Nazis herrschen, hilft bei der Bildung einer afghanischen Luftwaffe mit diesem Hintergedanken: Das Hitler-Regime hofft auf Unterstützung im Krieg. Jedoch schafft es Afghanistan wieder, wie schon im Ersten Weltkrieg, neutral zu bleiben. Nach dem Krieg war Afghanistan eines der ersten Länder, das die Bundesrepublik Deutschland als Nachfolger des Deutschen Reiches anerkannte. Einen massiven Anstieg in der Entwicklungshilfe erlebte Afghanistan nach 1945, als es einen profitablen Austausch zwischen beiden Ländern gab. Die afghanische Handelsdelegation in Hamburg bildete lange Zeit die wichtigste Anlaufstelle für den Handel mit Europa und den USA. Auch der Bildungssektor profitierte: Die Universität Kabul gründete 1962 Partnerschaften mit den Universitäten in Köln, Bonn und Bochum.

Zum nächsten Teil…

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