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Die Rekonstruktion von Afghanistan mit deutscher Hilfe nach dem Krieg

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Sehr signifikante Ereignisse führten zur Not der Rekonstruktion von Afghanistan.

Die erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit fand ein abruptes Ende, als 1979 sowjetische Truppen in Afghanistan, Kabul einmarschierten. Dies startet einen brutalen Bürgerkrieg, welcher Tausende von Tode forderte. Millionen von Flüchtlingen wanderten in den Iran oder nach Pakistan aus und die reiche Elite des Landes setzte sich nach Deutschland und in die USA ab. Daraus resultiert, dass bis heute rund 250.000 Afghanen in Deutschland leben.

Nach dem Rückzug der Sowjetarmee 1989 folgt ein weiterer Bürgerkrieg in Afghanistan, welcher es den radikalislamischen Taliban ermöglicht, an die Macht kommen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beteiligt sich Deutschland an der von den USA geführten Militäroperation in Afghanistan. Diese führt offiziell zum Sturz des Taliban-Regimes.

Rekonstruktion von Afghanistan mit deutscher Hilfe

Hiernach knüpft Deutschland wieder an die guten Beziehungen an und aus diesem Grund findet die erste Afghanistan-Konferenz in Bonn auf dem Petersberg statt. Beteiligt sind alle Gruppierungen des Landes, abgesehen von den Taliban. Darauffolgend beginnt Deutschland 2002 mit der internationalen Gemeinschaft die Wiederaufbauarbeiten in Afghanistan. Da diese Entscheidung getroffen wurde, konnte der Prozess der Rekonstruktion um Einiges beschleunigt werden.

Im Rahmen der Militärmission „Operation Enduring Freedom“ entsandte Deutschland 3.900 Bundeswehrsoldaten, um für Sicherheit zu sorgen, vor allem im Norden des Landes. Die Errichtung von Infrastruktur und eines stabilen Handels soll hiermit ermöglicht werden und das Engagement Deutschlands betrifft zusätzlich den Aufbau der afghanischen Polizei und ziviler Strukturen.

Neben der Einrichtung einer Justizverwaltung konzentriert sich Deutschland auf die Verbesserung der Trinkwasserversorgung und die Neuerrichtung von zwei Wasserkraftwerken. Somit können sie die Grundlagen der Versorgung wieder gewährleisten. Daneben wird man zerstörte Schulen wieder aufbauen und neue Schulen, größtenteils für Mädchen, einrichten. Das hat zu Folge, dass sich langsam aber sicher der Bildungssektor von Afghanistan stabilisiert. Die Beziehung zwischen Deutschland und Afghanistan basiert auch längst auf privatem Engagement. Aus diesem Grund existieren mehrere Vereine und Stiftungen, welche sich dem Aufbau von Krankenstationen, Waisenhäusern und Wasserversorgungsanlagen verschrieben haben. Dazu dient auch der private Aufbau von Handelsbeziehungen der Stabilität des Landes. Nach dem Ende der „Operation Enduring Freedom“ sind derzeit etwa 850 deutsche Soldaten für den Folgeeinsatz „Operation Resolute Support“ verblieben. Denn diese erhielten den Auftrag, afghanische Sicherheitskräfte und Institutionen zu trainieren, zu beraten und zu unterstützen. Beim Einsatz in Afghanistan haben bisher 58 deutsche Soldaten ihr Leben verloren.

Die Beziehung von Deutschland zu Afghanistan

„Wir sind hier unter Freunden“, sagte der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier im Jahr 2015. Denn er war zu den Feierlichkeiten des 100-jährigen Bestehens der afghanisch-deutschen Freundschaft in Kabul. Deutschland zählt zu den drei größten Investoren in Afghanistan und selbst ab 2001 bis 2015 flossen fast 4,1 Milliarden Euro in die Rekonstruktion von Afghanistan. Diese Hilfsgelder sollen die Neuerrichtung der Infrastruktur, die Förderung von Polizei und die Stärkung politischer und staatlicher Institutionen unterstützen.

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Afghanistan und Deutschland

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Eine abenteuerliche Reise

Tatsächlich gibt es schon seit 1915 eine enge Verbindung zwischen Deutschland und Afghanistan.

Am Anfang stand eine abenteuerliche Reise im Auftrag des deutschen Kaisers Wilhelm II.: Eine kleine Gruppe deutscher Diplomaten und Offiziere tarnte sich als Wanderzirkus und durchquerte auf dem Weg nach Afghanistan den Balkan, gelangte mit Bahn, Schiff und zu Pferd bis nach Bagdad, durchschritt die Salzwüste Kewir und überquerte schließlich über die afghanische Grenze. Am 26. September 1915 traf die Gesandtschaft in Kabul ein. Die Expeditionsgruppe hatte einen konkreten Auftrag: Sie sollte den damaligen Herrscher Afghanistans, Emir Habibullah, im ersten Weltkrieg zu einem Eintritt auf Seiten Deutschlands und seiner Verbündeten bewegen, jedoch gelang dies nicht. Im Frühjahr 1916 zogen die Deutschen aus Kabul ab. Auch wenn sie ihr eigentliches Ziel nicht erreichen konnten, knüpften die Reisenden aus Deutschland wichtige Kontakte in Afghanistan.

Goldene Jahre in Afghanistan

Die 1920er-Jahre unter dem Sohn Habibullahs, dem sogenannten Reformkönig Amanullah, werden von vielen Afghanen als die „goldene Jahre“ bezeichnet. Nach der Anerkennung als unabhängiger Staat schließt Afghanistan mit Deutschland einen Freundschaftsvertrag und tauscht einige Gesandte aus. Im Jahr 1923 wird die Deutsch-Orientalische Handelsgesellschaft AG gegründet. Bereits 1924 entsteht mit deutscher Unterstützung die Nejat-Oberrealschule in Kabul, an der jahrzehntelang auch deutsche Lehrer unterrichten. Im ganzen Land werden in den 1920er-Jahren mit deutscher Hilfe Großprojekte umgesetzt und rund 200 Experten entsandt. Das Straßennetz wird erweitert, Wasserkanäle und Talsperren gebaut und Telegraphenleitungen gelegt. Den Höhepunkt setzt schließlich der Besuch Amanullahs beim Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in Berlin.

Neutral gegenüber Nazis

Sogar während des Zweiten Weltkriegs reißen die Kontakte nicht ab: 1938 richtet die Lufthansa eine Flugverbindung Berlin-Kabul ein und das Deutsche Reich, in dem die Nazis herrschen, hilft bei der Bildung einer afghanischen Luftwaffe mit diesem Hintergedanken: Das Hitler-Regime hofft auf Unterstützung im Krieg. Jedoch schafft es Afghanistan wieder, wie schon im Ersten Weltkrieg, neutral zu bleiben. Nach dem Krieg war Afghanistan eines der ersten Länder, das die Bundesrepublik Deutschland als Nachfolger des Deutschen Reiches anerkannte. Einen massiven Anstieg in der Entwicklungshilfe erlebte Afghanistan nach 1945, als es einen profitablen Austausch zwischen beiden Ländern gab. Die afghanische Handelsdelegation in Hamburg bildete lange Zeit die wichtigste Anlaufstelle für den Handel mit Europa und den USA. Auch der Bildungssektor profitierte: Die Universität Kabul gründete 1962 Partnerschaften mit den Universitäten in Köln, Bonn und Bochum.

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