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Baba Saffron: Der Vater des Safrans

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Baba Saffron ist ein berüchtigter Name in Afghanistan. Die stetig zunehmende Popularität von Safran in Afghanistan ist ohne Zweifel einem gewissen Mann mit einer Vision zu verdanken.

Es begann als Haji Mohammad Akbar, später bekannt unter dem Namen „Baba Saffron“ oder „The Father of Saffron“, ergo „Der Vater des Safrans“, aus dem naheliegenden Pashtun Zar Ghun Distrikt in Herat eintraf. In einem Land, welches von illegalem Drogenhandel kontrolliert wird, sah er Potenzial für einen Wandel zum Besseren. Vor ungefähr 25 Jahren startete mit diesem Gedanken im Hinterkopf seine Reise nach Herat. Im Gepäck hatte er die Zwiebeln der Crocus-Sativuspflanze, welche das Zeitalter einer blühenden Safranindustrie in Afghanistan einleiten würden. Dies würde ihm zur Gründung seiner eigenen Firma verhelfen: Der Baba Saffron Group. In einem vergleichsweise winzigen 300 Quadratmeter großem Feld würde er mit dem Anbau von Safran beginnen.

Der Safrananbau ist jedoch auch Baba Saffron erstmal fremd gewesen.

Zu dieser Zeit war niemand in Afghanistan bezüglich dem Anbau von Safran wirklich belesen. Selbst Haji Mohammad Akbar war anfangs durch seine mangelnde Erfahrung beim Anbau und der Pflege dieser fragilen Pflanze ratlos. Um die nötige Erfahrung zu sammeln und Safran anständig ernten zu können, entschied er sich nach Iran zu reisen. Zu seinem Glück lernte er dort einen lokalen Farmer namens Haji Alipour kennen. Dieser half ihm ein Verständnis für die Pflanze zu gewinnen.

Dies beschränkte sich nicht nur auf den Anbau und die Ernte. Er lernte auch von der Geschichte und den breit gefächerten gesundheitlichen Vorteilen der Pflanze. Somit wurde ihm klar, dass Safran eine enormes ökonomisches Potenzial besitzt, welches bereits zu diesem Zeitpunkt einige Kunden in globalen Märkten besaß.

Abdul Sabur Rhamani, der Direktor der Abteilung von Landwirtschaft, Bewässerung und Viehzucht in der Provinz von Herat, betont gerne die Wichtigkeit, welche die Mühen und der Einfluss von Baba Saffron in der Produktion und Förderung dieser Pflanze hatte. Nach der Rückkehr seiner Reise war er noch gezwungen die Zwiebeln für den Safran noch illegal einzuschmuggeln. Das Schmuggeln blieb nicht unbelohnt. Es entstand die Möglichkeit in der Provinz Khorasan noch weiteres über Safran zu erlernen. Diese Chance nutzte er natürlich. Es dauerte jedoch nicht allzu lange, bis sich ein legaler Import aus Iran etablierte.

Das Wort über Safran verbreitet sich über Baba Saffron.

Natürlich reichte all dies nicht, um die Safranindustrie zu einem zeitgemäßen Geschäft in Afghanistan zu transformieren. Er war zu der Zeit der einzige, der sich an diese zwar ertragreiche, aber unbekannte Pflanze getraut hat. Aus diesem Grund fing er an den lokalen Farmern Mut zuzusprechen und ihnen die Geheimnisse zu verraten, wie man Safran anbaut. Da Afghanistan einen konzentrierten Drogenhandel besitzt, haben sich viele Landwirten dazu verschrieben, diese Drogen, meist Opium, anzubauen. Auch, wenn es ein sehr gefährliches Geschäft ist, gab es eine adäquate Entlohnung und leider haben zu diesem Zeitpunkt (und bis heute noch) genügend Alternativen gefehlt.

Eine Alternative konnte Baba Saffron den unbeholfenen Farmern aber somit bieten. Es bot ihnen eine Einkommensquelle, welche keinerlei Risiken mit sich trug. Kurz danach hat auch die afghanische Abteilung für Landwirtschaft ihre Hilfe und Zustimmung von dem Anbau von Safran geboten. Das Dacaar Institut initiierte außerdem einige Projekte, welche den Safrananbau fördern und ertragreicher machen sollten. Der Boden von Afghanistan stellte sich als sehr nützlich für den Anbau von Safran heraus. Die hochwertige Ernte, welche konstant ein qualitatives und vor allem leckeres Produkt erbrachte, verhalf dem Safran aus Afghanistan einer der besten, wenn nicht sogar dem besten Safran der gesamten Welt zu werden.

Das Wort über Safran hat sich hiernach relativ schnell verbreitet. Die Anzahl an Farmern, welche anfingen Safran anzubauen, hat sich in kurzer Zeit drastisch erhöht. Die Chance eine luxoriöse Pflanze anstelle von illegalen Drogen als Lebensunterhalt zu nutzen hat der Safranproduktion verholfen stetig zu wachsen. Außerdem sah man die Möglichkeit, das Ansehen von Afghanistan mit dem Anbau von Safran anstelle von Opium zu verbessern. Haji Mohammad Akbar wurde nach diesen Errungenschaften den Titel als „Baba Saffron“ verliehen. Es soll zeigen, dass seine Arbeit und die daraus entstandenen Erfolge für den Anbau von Safran in Afghanistan von dem afghanischen Staat anerkannt wurden.

Nicht jeder hieß Safran und Baba Saffron willkommen.

Diejenigen, die hingegen den Drogenhandel in Afghanistan unterstützten, konnten bei all den Fortschritten, welche die Safranproduktion in dieser kurzen Zeit machte, nicht tatenlos zusehen. Wenn man aktiv gegen den Drogenmarkt vorgeht, existieren natürlich auch deutliche Gefahren. The Father of Saffron war eine offensichtliche Gefahr für den illegalen Drogenmarkt, welcher seinen Einfluss bereits im Land verbreitet hat.

In einem Interview mit Jalil Ahmad, dem ältesten Sohn von Haji Mohammad Akbar, erzählt er uns, dass er selbst bereits Opfer der Feinde von seinem Vater wurde. In 2008 wurde er von Personen entführt, welche bis heute nicht identifizierbar waren. Der Grund hierfür war die Angst davor, dass Safran schon bald den Opiumanbau erlösen würde. Darauffolgend würde die Struktur des Schwarzmarkts zerfallen und dies war in ihrer Hinsicht definitiv zu verhindern. Als Austausch für das Leben seines ältesten Sohnes forderten die Entführer eine heftige Summe Lösegeld oder seine Felder.

Nachdem er sich dazu entschied dieses horrende Lösegeld zu zahlen und seinen Besitz zu behalten, wurde ihm klar, dass mit den Feinden von Safran und gleichzeitig somit auch dem Drogenmarkt nicht zu spaßen ist. In dem Fall von Afghanistan war es wichtig ein Auge auf die Taliban zu haben. Hierbei konnte Baba Saffron sich jedoch glücklich schätzen, dass die Taliban unerwarteterweise sogar den Safrananbau unterstützen.

Die Produktion nimmt seither zu.

Heutzutage ist Safran in Afghanistan als die primäre Alternative zu Opium bekannt. Die Nachfrage nach Safran hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten positiven Schub erlebt. Um die 15 Tonnen Safran wurden letztes Jahr in Herat produziert. Die Vorhersage der Produktion für das Jahr 2021 beläuft sich sogar auf ungefähr 20 Tonnen. Zu erwarten war, dass die Nachfrage und der Preis nach Safran während dem Ausbruch der Pandemie vorerst drastisch gefallen ist. Jedoch berichtet Herr Rhamani, dass die Aussichten für Safran nicht düster bleiben werden. Im Gegenteil – seiner Ansicht nach wird die Popularität von Safran stetig weiter steigen.

In den letzten zweieinhalb Jahren von Baba Saffrons Leben wurde er von einer Krankheit geplagt und war gezwungen, das Geschäft zu verlassen. Im 14. September 2020 starb Mohammad Akbar in Herat. Sein Tod wurde als ein großer Verlust für ganz Afghanistan angesehen. Der Präsidentenpalast, the Ministerium für Landwirtschaft und der Gouverneur von Herat zeigten ihre Dankbarkeit und würdigten den Errungenschaften und den Erfolg den er mit seiner Reise erreichte.

So endete die Geschichte von The Father of Saffron. Ihm gelang es einer Vielzahl von lokalen Farmern eine besondere Chance zu geben, ihre Leben zu verbessern. Seine Taten verhalfen es gegen den illegalen Drogenhandel vorzugehen und hierdurch haben viele Einwohner ein glückliches und vor allem gesundes Leben geschenkt bekommen. Seine Vision wurde zur Realität und in den letzten Jahren wurde der Hilfe von Haji Mohammad Akbar afghanischer Safran zu einem Produkt der höchsten Qualität.